Herz und Lunge in Gefahr
Zusätzlich zur Grippe entstehen als Folgeerkrankung häufig Bakterieninfektionen. Sie greifen die Bronchien oder das Mittelohr an, aber auch Lunge und Herz, was dann lebensgefährlich werden kann. Daher ist es vor allem für ältere, chronisch kranke oder immungeschwächte Menschen wichtig, gleich bei den ersten Symptomen den Arzt um Rat zu fragen. Besondere Vorsicht ist auch geboten, wenn Kinder Grippe haben. Hohes Fieber kann bei ihnen zu Krämpfen führen.Im Überblick
Komplikationen machen die Grippe lebensgefährlich
Die Grippe ist keine harmlose Erkrankung. Vor allem bei abwehrgeschwächten oder älteren Personen sind lebensgefährliche Komplikationen möglich. Die Ausbreitung der Viren im Lungengewebe führt zu einer viralen Pneumonie, die nur sehr schwer von der bakteriellen Pneumonie zu unterscheiden ist. Die meisten Probleme ergeben sich durch zusätzliche Infektionen mit Bakterien. So haben beispielsweise Pneumokokken an den vorinfizierten und entzündeten Atemwegen ein leichtes Spiel und können eine bakterielle Bronchitis oder
Lungenentzündung nach sich ziehen. Dabei sind insbesondere ältere Menschen gefährdet. Eine Grippe begünstigt hier eine Lungenentzündung: Die Viren zerstören die Schleimhäute der Atemwege und machen sie anfällig für eine
Lungenentzündung. 80 bis 100% der Grippe-Todesfälle gehen auf eine Lungenentzündung zurück.
Weitere Grippe-Komplikationen sind:
- Entzündungen der Nasennebenhöhlen (Sinusitis)
- Entzündung der Bronchien (Bronchitis)
- Mittelohrentzündung (Otitis media)
- Herzmuskel- oder Herzbeutelentzündung
- Hirnhautentzündung
- Fieberkrämpfe bei Kindern.
Bestehende Grunderkrankungen wie beispielsweise eine chronische Bronchitis oder
Asthma können sich in Folge der Grippeinfektion verschlimmern. Besonders heftige Verläufe können innerhalb weniger Stunden zum Tod durch Herz-Kreislauf-Versagen führen. In manchen Jahren sterben in Deutschland bis zu 20.000 Menschen an der Grippe. Tödlich geht die Grippe laut Robert Koch-Institut aber fast nur in den höheren Altersgruppen aus.
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Risikogruppen: Grippe bei Asthma, Herzkrankheit und Diabetes
Zu den Risikogruppen der Grippe zählen jene Personen, die sich leichter als die Normalbevölkerung anstecken können oder bei denen eine Infektion einen schwereren Verlauf mit Komplikationen nehmen kann.
- Personen über 60 Jahre
- alle Personen mit chronischen Krankheiten wie Asthma, Herz-Kreislauf-Krankheiten, Leber- und Nierenkrankheiten, Diabetes und anderen Stoffwechselkrankheiten oder einer Immunschwäche
- Personen, die täglich mit vielen Menschen Kontakt haben und deshalb einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt sind bzw. eine Infektion auf andere übertragen können, wie: medizinisches Personal, aber auch Lehrer oder Personen, die in öffentlichen Verkehrsmitteln oder Einrichtungen mit viel Publikumsverkehr arbeiten.
Wer zu einer Risikogruppe gehört, sollte sich unbedingt jedes Jahr im Herbst impfen lassen, rät die Ständige Impfkommission des Robert Koch-Instituts in Berlin. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für die
Grippeimpfung.
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Lungenentzündung
Sollten über die Atemwege gefährliche Krankheitserreger in den Körper eindringen, kann es zu einer Lungenentzündung (Pneumonie) kommen. Die Pneumonie kann akut oder chronisch verlaufen. Bei den häufigen infektiösen Pneumonien verursachen Krankheitserreger, die beim Einatmen in die Lunge gelangen, die Entzündung.
Wie hoch ist das Risiko für eine Lungenentzündung? Bestimmte Personen sind besonders gefährdet, eine Lungenentzündung zu bekommen: Menschen, die an einer schweren Grunderkrankung leiden, z.B. einer Herzschwäche, einem Tumor einer Nieren- oder Lungenerkrankung. Außerdem haben generell alle Menschen über 60 Jahre und Heimbewohner ein erhöhtes
Risiko.
Wie macht sich eine Lungenentzündung bemerkbar? Als typische
Symptome einer Lungenentzündung gesellen sich bei jungen, sonst gesunden Menschen zu den normalen Erkältungssymptomen plötzlich Fieber, Schüttelfrost, Luftnot, eitrigem abgehustetem Sekret und manchmal Brustschmerzen. Eine Pneumonie im Alter beginnt hingegen oftmals sehr unscheinbar und schleichend ohne diese klassischen Krankheitszeichen. Eine Wesensveränderung oder eine plötzliche Sturzneigung können einziger Hinweis auf diese bedrohliche Erkrankung sein.
Frühzeitige Therapie ist wichtig Da die Lungenentzündung trotz moderner Behandlungsmethoden insbesondere für ältere Menschen tödlich verlaufen kann, ist es entscheidend, diese Erkrankung frühzeitig zu erkennen und mit
Antibiotika zu behandeln.
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Herzmuskelentzündung (Myokarditis)
Eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis) kann in jedem Alter auftreten. Meist wird sie durch Viren verursacht und tritt als Folge von
grippalen Infekten und
Durchfallerkrankungen auf.
Oft verläuft die Herzmuskelentzündung unbemerkt und heilt folgenlos aus. Sie kann das Herz aber auch schwer schädigen.
Herzschwäche als Hinweis auf HerzmuskelentzündungVon einem Magen-Darm-Infekt oder einer Grippe erholen wir uns normalerweise rasch und vollständig. Lassen Schwäche und Gliederschmerzen allerdings nicht nach und kommen Herzrasen, Herzstolpern und Herzschmerzen sowie Atemnot bei geringster Belastung hinzu, liegt der Verdacht auf eine Herzmuskelentzündung nahe. Besonders wenn ein bisher gesunder junger Mensch nach einem banalen Infekt plötzlich "nicht mehr auf die Beine kommt", muss an eine Myokarditis gedacht werden.
Die Diagnose bei Herzmuskelentzündung Bei Verdacht auf eine Herzmuskelentzündung wird das Herz mit den üblichen Methoden wie
EKG und
Echokardiografie untersucht. Meist lassen sich damit schon handfeste Hinweise auf eine entzündungsbedingte Herzschwäche finden.
Daneben gibt es weitere Diagnosezeichen:
- erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit
- vermehrte weiße Blutkörperchen
- Erhöhung herzmuskelspezifischer Eiweiße
- eher selten lassen sich Antikörper gegen die auslösenden Erreger im Blut nachweisen.
BiopsieOft wird mithilfe eines
Herzkatheters Herzmuskelgewebe entnommen und im Labor untersucht. Eine solche Biopsie hilft dem Arzt, die Entzündung sicher nachzuweisen und die Erreger zu identifizieren.
Größte Gefahr bei Herzmuskelentzündung: eine bleibende Herzschwäche
Damit die Entzündung ausheilt und das Herz sich vollständig erholen kann, braucht es vor allem Ruhe. Deshalb ist körperliche Schonung oberstes Gebot für Patienten mit einer Myokarditis. Fällt das Atmen schon in Ruhe schwer, so gilt absolute Bettruhe. Mindestens ein halbes Jahr muss auf körperliche Belastung wie Sport verzichtet werden. Belastet sich ein Patient zu früh, steigt die Gefahr für eine
Herzinsuffizienz.
Die Therapie: Schonung und Medikamente Neben körperlicher Schonung verordnet der Arzt auch Medikamente wie
Diuretika,
ACE-Hemmer und
Betablocker, um das Herz zu entlasten und die Herzleistung zu verbessern. Wurde in der Gewebeprobe ein Virus als Auslöser nachgewiesen, kommt eine virusabtötende Behandlung und eine Stärkung der körpereigenen Abwehr in Frage. Ist die Entzündung dagegen Folge einer Autoimmunreaktion, verordnet der Arzt spezielle Medikamente wie z.B. Cortison, die die Immunabwehr bremsen.
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Herzbeutelentzündung (Perikarditis)
Unser Herz ist in einen Beutel, das Perikard, eingebettet, dessen gleitend aufeinander liegende Schichten jede Herzbewegung mitvollziehen. Der Herzbeutel (Perikard) kann sich ebenso wie das Endo- und das Myokard entzünden. Die Besonderheit einer Perikarditis liegt darin, dass sich zwischen den beiden Schichten Flüssigkeit ansammeln kann. Ein solcher
Perikarderguss kann im Extremfall bei sehr großen Flüssigkeitsmengen das Herz regelrecht abdrücken und damit seine Funktion blockieren. Diese so genannte
Herztamponade ist ein Notfall und muss sofort ärztlich behandelt werden.
Herzgeräusch ist für die Diagnose wegweisendVermutet der Arzt eine Herzbeutelentzündung, so wird er deshalb zunächst nach anderen Erkrankungen oder Symptomen fragen, z.B. sind
- plötzlich einsetzendes Fieber
- große Schwäche
- schneller Herzschlag
- Schmerzen besonders beim Atmen und im Liegen
Zeichen für eine Perikarditis. Beim Abhören des Herzens fällt ihm dann das charakteristische Herzgeräusch (Perikardreiben) auf, das durch das Aneinanderreiben der Herzbeutelschichten entsteht.
Die Diagnose wird gesichert durch zusätzliche Untersuchungen wie:
Weisen Sie den Arzt auf andere Erkrankungen hinWenn Sie kurz vor Beschwerdebeginn einen Atemwegsinfekt oder eine Durchfallerkrankung hatten, weisen Sie den Arzt unbedingt darauf hin: Zwischen Herzbeschwerden und Infekt könnte ein Zusammenhang bestehen!
Therapie: Ruhe ist oberstes BehandlungsgebotBei einer Herzbeutelentzündung sind Ruhe und körperliche Schonung unerlässlich. Oft zwingt schon die Schwäche den Patienten ins Bett. Gegen die Schmerzen und die Entzündung bei viraler Perikarditis gibt der Arzt Schmerzmittel. Bei drohender Herzschwäche helfen
Diuretika und
ACE-Hemmer. Verursachen Bakterien die Entzündung, kommt ein Antibiotikum zum Einsatz, möglichst gezielt gegen den jeweiligen Erreger gerichtet.
Liegt der Herzbeutelentzündung eine andere Erkrankung zugrunde, steht die Behandlung der Grundkrankheit im Vordergrund. Wird diese besser, erholt sich meist auch das Herz wieder.
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Fieberkrämpfe bei Kindern
Manche Kinder reagieren auf schnell ansteigendes Fieber mit einem Fieberkrampf. Das Kind ist dann plötzlich nicht mehr ansprechbar. Der ganze Körper spannt an, Arme und Beine zucken, die Atmung kann ruckartig werden. Meist verdreht das Kind im Fieberkrampf auch die Augen. Trotz des dramatischen Beschwerdebildes ist ein Fieberkrampf in der Regel jedoch harmlos und hört nach 2-3 Minuten von alleine wieder auf. Für Eltern ist ein Fieberkrampf jedoch ein extrem beängstigendes Ereignis. Wenn ein Fieberkrampf zum ersten Mal auftritt, sollte das Kind auf jeden Fall in einer Klinik eingehend untersucht werden. Dort suchen die Ärzte nach der Ursache für den schnellen Fieberanstieg und das Krampfen.
Bei Kindern, die schon einmal einen Fieberkrampf hatten, empfehlen Kinderärzte spätestens bei 39 Grad Celsius eine Fiebersenkung. Für den Notfall verordnet der Arzt entkrampfende Medikamente. Diese werden beim Auftreten eines Anfalls rektal verabreicht. Ihre Wirkung setzt schnell ein.
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Quellen:Was schützt im Winter vorm Infekt? MMW - Fortschritte in der Medizin 41/2005
Influenza - RKI-Ratgeber-Infektionskrankheiten (2006), Robert Koch-Institut
Herold, G.: Innere Medizin - Eine vorlesungsorientierte Darstellung. 2007
Braun, J., Dormann, A.: Klinikleitfaden Innere Medizin, Verlag Urban & Fischer, 2006
AWMF-Leitlinie: Diagnostik und Therapie der infektiösen Endokarditis, Stand 2004
Basislehrbuch Innere Medizin, H. Renz-Polster, J. Braun, Urban & Fischer, München/Jena, 3. Aufl. 2004
Epidemiologisches Bulletin (RKI), Ausgabe Nr.32 (August 2003), Empfehlungen der Ständigen Impfkommision (STIKO) am Robert Koch-Institut
T. Welte, R. Marre, N. Suttorp: Das Kompetenznetzwerk "Ambulant erworbene Pneumonie" (CAPNETZ) Internist 2004, 45: 393-401
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